Wieso die Umgebung vorbereiten?
Oft braucht es nicht viel, dass die Konzentration und Lust einer Tätigkeit nachzugehen verflogen ist: ein fehlendes Werkzeug, keine Idee zur Umsetzung oder die Klarheit, wohin ich mit meiner Aufgabe möchte; der Überblick über das Endergebnis. Keine zeitnahe oder passende Hilfestellungen für aufkommende Fragen.
Und gleichzeitig braucht es nicht viel, um sich konzentriert und vertieft einer Aufgabe widmen zu können: Ein vorbereiteter Arbeitsplatz, klare Strukturen und Aufgaben oder die Vision, was mein Ziel ist. Zu wissen, wo ich bei Schwierigkeiten oder Feststecken Hilfe bekomme.
Und beide Punkte liegen in der Endverantwortung bei uns Erwachsenen: Ich kann mein Kind anleiten, sich seinen Arbeitsplatz zu richten und wieder zu verräumen, gleichzeitig aber sehen, wenn das noch Hilfestellungen oder Begleitung benötigt. Ich beobachte mein Kind und sehe seine Interessen und Themen und gestalte darauf die Umgebung und die Materialien, um es auf seinem Weg zu unterstützen und mit entsprechenden Hilfestellungen an den richtigen Momenten zu begleiten.
Kleine Übungsaufgabe für Dich:
Beobachte doch mal, wenn dein Kind seinen Tätigkeiten nicht nachgehen kann, weil die Umgebung oder auch du nicht passend vorbereitet bist.
Und dann beobachte eine Situation, wenn das Gegenteil der Fall ist und eure Umgebung vorbereitet ist und du präsent und im Moment bist. Was fällt dir dabei auf?
Unsere Vorgehensweise auf Reisen mit Materialien für eine vorbereitete Umgebung
Zuallererst steht die Bestandskontrolle an, die schon einige Wochen vor einem geplanten Heimatbesuch ansteht: Welche Themen sind abgehakt und können wieder eingelagert oder verabschiedet werden?
Zu welchen Themen fehlt es an Material oder welche Themen könnten bald von Interesse sein?
Noch auf Heimatbesuch gibt es neue Literatur für unsere Bücherkiste in unserem Wohnmobil Winni. Einige zusammengesuchte Materialien (Spiele, Hefte usw.) können problemlos ausgedruckt werden oder bestellt und anderweitig organisiert werden.
Alle fehlenden Arbeitsmaterialien (Kleber, Stifte usw.) werden ergänzt, wenn sie nicht längst auch schon unterwegs ergänzt wurden.
Oftmals sind unsere Materialien breit gefächert, so können viele mögliche Interessen abgedeckt werden und ein Einstieg ins Thema ist an Bord und kann bei Bedarf einfach weiter ausgebaut und erweitert werden. Spezielle Sachbücher haben wir lieber in deutscher Sprache an Bord, bisher haben wir damit gute Erfahrungen gemacht.
In der Heimat wird alles aufgefüllt, organisiert, komplementiert.
Unsere Vorgehensweise auf Reisen für einen vorbereiteten Erwachsenen
Ich informiere mich und lerne (wieder), wie ich die Weitergabe bestimmter Inhalte gestalten kann, welche Methoden, Vorgaben u. ä. es gibt und entscheide, welche davon für uns Sinn ergeben. Viele Spiele und Ideen denke ich mir selbst aus oder ich lasse mich von anderen Fachkräften inspirieren.
Und unterwegs sind wir dann wieder ausgestattet, unseren Interessen und Themen in der vorbereiteten Umgebung nachzugehen.
Ich habe (meist, denn ich bin auch nur ein Mensch) einen guten Plan A, B und C; weiß um unseren Materialschatz und kann so individuell und interessenabhängig dem Wissenshunger und der Lernlust meiner Kinder begegnen.
Gleichzeitig hat Maria Montessori eine ganze Palette an Eigenschaften für eine vorbereitete Lehrkraft aufgestellt. Ich habe diese Eigenschaften auf einen Erwachsenen übertragen, der mit Kindern lebt oder tätig ist, denn die Inhalte sind dafür genauso bedeutend wie im institutionellen Rahmen.
Welche Eigenschaften Maria Montessori für wichtig erachtet hat, davon liest du bald im Beitrag „Der vorbereitete Erwachsene“.
