Die Straßen glänzen noch regennass und wir laufen Slalom um die großen Pfützen. Den Spielschuppen mit fast lebensgroßen Holznachbildungen der Stalltiere lädt in seinem Halbdunkel zum Spielen ein. Fleißig schleppt ihr Futter herbei und umsorgt alle Tiere.
Im Spielhaus leihen wir uns allerlei Spielgerät und die Spielplätze lassen unsere Herzen höher schlagen. Jetzt wollen wir aber auf Zeitreise gehen.
Der Wald riecht feucht, nach Moos und Nadelbäumen. Spurrielen ziehen sich durch die graue, mit groben Kieselsteinen bedeckte Straße.
Zusammengekauert um einen kleinen Brunnen und den mit bloßer, festgestampfter Erde bedeckten Hof beugen sich drei Häuschen unter ihren strohbedeckten Dächern. Gebückt treten wir durch die niedrige Eingangstür in den wärmeren Innenraum.

Eine nette Bauersfrau sitzt am Kamin, der leise und anheimelnd vor sich hin knackt und den Raum mit seinem Feuer in einen sanften Schimmer taucht. Die Frau ist am handarbeiten, ein dickes Wollknäuel liegt vor ihr im handgearbeiteten Weidekorb und ihre Hände arbeiten fleißig und geübt.
Sie erzählt uns, dass viele der armen Menschen das Angebot annehmen, ein Stück Land zu bewirtschaften. Ein kleiner Hof, oftmals mitten im Nirgendwo. So erträglich, dass zumindest der Lebensunterhalt gesichert ist. Auch sie kannte ihren Mann nicht, aber geheiratet wurde aus Notwendigkeit und nicht aus Liebe. Die Männer stehen als Gegenleistung für Land und Hof als Soldaten dem König zur Verfügung, dann bleiben die Frauen alleine auf den Höfen zurück. Landwirtschaft, Haushalt und Kinder liegen dann in ihrer Verantwortung.
Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. So wirklich viel Bullerbü und Småland Stimmung wird es nicht gewesen sein. Schwielige Hände vom arbeitsaufwendigen Tagwerk und gebückte Haltungen vom Einsatz von Körper und Kraft. Maschinen und Erleichterungen sind noch nicht erfunden oder zumindest in diesem Teil der Gesellschaft noch lange nicht angekommen.

Wir spazieren weiter. Im Kolonialwarenladen betrachten wir die vielen Schubladen, die einfachen Verpackungen, die kupfernen Gefäße und die zweiarmige Waage, die mit ihren bleiernen Gewichten den Großteil des Tresens ausfüllt.

Im Schulraum setzen wir uns in die niedrigen, engen Bänke, unsere Federn kratzen über das Papier und kleckern Tintenflecken auf Finger und die Linien des Papiers. Wie es sich wohl angefühlt hat, mit schweren, feuchten Holzpantoffeln hier zu sitzen? Die alten Wollsocken, die rund um den Bollerofen in der Ecke hängen, erinnern an die langen, kalten Winter. Vermutlich wird es rauchig und nach feuchter Wolle gerochen haben.
Im Polizeirevier bestaunen wir die alten schicken Uniformen und die spitzen, besonderen Helme. Nebenan in der Bank lassen Samt, glänzende Hölzer, Ölleinwände und der dicke Tresor auf eine ganz andere Seite der Gesellschaft schließen.

Im Süsswarenladen schließlich stärken wir uns mit Kokosbollen, und sind froh zurück in unsere Zeit zurückkehren zu können.
Wasser kommt aus dem Wasserhahn und muss nicht aus dem Brunnen geschleppt werden. Zum heizen drehen wir die Heizung an oder ziehen einfach etwas über. Spiel-und Lernmaterial ist vielfältig und einladend. Nahrung gibt’s im Supermarkt und ist zumindest für uns (noch) unabhängig von den Erträgen des letzten Jahres reichlich und vielfältig vorhanden.
Heute sind es andere Themen, die uns beschäftigen und andere Sorgen und Freuden, die den Alltag prägen.
Praktische Informationen
Unter www.gamlalinköping.se findest du Anreisemöglichkeiten, Öffnungszeiten und co.
Die Spielplätze und der Ort zum durchschlendern können immer besucht werden, Spielscheune und die einzelnen Orte wie Bank und Schule haben tagsüber unterschiedliche Öffnungszeiten.
Wenn du mit dem Wohnmobil anreist, gibt es auf der Seite mit den vielen Spielplätzen simple Parkplätze ohne Versorgung.
