Ich möchte dir gerne zeigen, wie wir unterwegs lernen. In diesem Beitrag stelle ich dir alles rund ums Thema Lesen und Schreiben vor.
Die Abwechslung unterstützt unseren Lernprozess und so nutzen wir verschiedene Möglichkeiten, die wie unterschiedliche Materialien nach Montessori, über eine klassische Fibel hin zu alltäglichen Aktivitäten reichen.
Über die Links kommst du zu den angegebenen Materialien, für dich ändert sich nichts am Preis, ich bekomme eine kleine Provision und freue mich sehr, wenn du mich auf diesem Weg unterstützt!
Lesen und Schreiben als Teilhabeprozess
Lesen und Schreiben sind essenzielle Fähigkeiten, um frei und unabhängig im Alltag agieren zu können. Schrift begegnet uns in allen Alltagssituationen und wenn wir diese ohne Probleme entziffern und für uns nutzen können, haben wir einen großen Schritt in Richtung Teilhabe und Barrierefreiheit erreicht.
Der Einkaufszettel, Straßenschilder und schriftliche Informationen, alle schriftlichen Medien von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern bis hin zur schriftlichen Kommunikation über Mail oder Briefe … Schrift ist in unserem Alltag nicht mehr wegzudenken.
Alltagslernen von der Baby – bis in die Grundschulzeit
Von Kniereitern, gemeinsamen Singspielen hin zu gezielten Spracharbeiten, mit selbsterstellten, an Montessori angelehnten Material über Schreiblehrgänge und der Fibel in Silbenschrift: unser Weg nutzt die Vielfalt der Möglichkeiten, um so alle Sinne anzuregen und ganzheitlich zu lernen.
Im Alltag nutzen wir vorhandenes: mit Fingern, Stiften, Federn und Stöcken wird in Sand, im Schnee, auf Papier und auf staubigen Untergründen gespurt, geschrieben und nachgefahren. Infotafeln oder Beschriftungen werden nachgefahren, buchstabiert und gelesen.
Einkaufszettel, Wunschzettel und Briefe werden gemalt, gemeinsam formuliert, abgeschrieben oder selbst geschrieben, je nachdem, wo gerade das einzelne Kind steht. Rezepte, Anleitungen, Kalenderblätter werden gemeinsam gelesen und besprochen.
Eine über längere Zeit begleitende und gleichzeitig schöne Erinnerungen festhaltendes Projekt sind unsere „Erinnerungshefte“ oder Reisetagebücher, in denen Prospekte, Eintrittskarten, Postkarten, Pläne u. ä. ihren Platz finden und dann mit eigenen Texten und Bildern ergänzt werden.
Der Alltag bietet zahlreiche Gelegenheiten, lesen und schreiben immer wieder auch einfach nebenbei zu integrieren. Auch Sachrechnen, Experimente ausführen und Ergebnisse festhalten, Lernen zu Geschichte und Naturwissenschaften erfordern immer auch Lesen und Schreiben.
Vom gesprochenen Wort zur Schriftsprache
Gemeinsames Vorlesen, und sei es nur das Kalenderblatt des täglichen Kinderkalenders, gehören hier zum Alltag. Und manchmal wird der Kalender eben an ruhigeren Tagen „nachgeholt“, auch das darf im normalen Familienchaos sein.
Vorlesebücher, Sachbücher, Tiptoibücher und unzählige Hörspiele und Podcasts eröffnen uns neue Welten in Wissenswelten und Fantasie und bereichern gleichzeitig unseren Wortschatz und Sprachgewandtheit.
Schreiblehrgang und Silben-Fibel
Wir nutzen auch den Schreiblehrgang von Mildenberger zur Grundschrift und das zugehörige Arbeitsheft, dass die gleichen Inhalte wie die Silben-Fibel vertieft. Uns persönlich war es wichtig, einmal gezeigt zu haben, wie effektives Schreiben aussehen kann. Trotzdem oder (gerade deswegen?) wurden sich schon eigene Schreibarten ausgedacht und schöne Handschriften wurden erarbeitet.
Die schrittweise Einführung nach Silben und der Möglichkeit zügig erste Sätze lesen zu können, bereitet hier Freude. Gleichzeitig ist es ein langer Prozess, den flüssiges Lesen erfordert Üben, Üben und noch mehr Üben, dafür greifen wir auch auf Leseübungshefte, Lieblingsbücher und Schriften, die uns im Alltag begegnen, zurück.
Exkurs zum Lernen „über Nacht“
Ich glaube, wir dürfen davon Abstand nehmen, dass Kinder, die Interesse für ein Thema haben und darin dann unterstützt werden, tatsächlich alles „über Nacht“ und „weil es gerade Thema ist“, an Fertigkeiten dann aus dem Ärmel schütteln.
Auch wenn Themen einen lange begleiten und immer wieder im Mittelpunkt stehen, so darf die Aneignung trotzdem Schritt für Schritt erfolgen und jede Stufe mit viel Fleiß und Stolz erarbeitet werden.
Ich finde das wichtig zu erwähnen, denn auch Kinder, die mit Interesse und in ihrer sensiblen Phase für ein Thema sind, müssen trotzdem dafür arbeiten. Manchen fallen einzelne Bereiche leichter, andere erfordern mehr Aufwand und jede*r darf da seinen eigenen Weg finden und gehen.
Be“greif“bare Materialien nach Montessori
Schon früh nutzten wir ein selbsterstelltes Buchstabenhotel nach Montessori für Sprachspiele. Für jeden Laut gibt es ein Kästchen/Schublade/Tasche (je nach Ausführung) mit passenden Gegenständen. Laute, Silben, Reime, später Grammatikarbeit; die Möglichkeiten, mit dem Material zu arbeiten, sind vielfältig.
Wir haben auch die Zylinderblöcke zum Üben des Drei Finger Griffs und die metallenen Einsätze zum Üben von Formen und klaren Linien, diese sind jedoch aufgrund ihres Gewichts und Größe jeweils nur bei Heimatbesuchen in Benutzung.
Ein Sand/Salz/Zuckerwanne oder -tablett ist schnell gerichtet und so kann dort gespurt werden, viel öfter greifen wir darauf einfach bei Besuchen und Ausflügen in die Natur zurück.
Wir hatten auch selbsterstellte Sandpapierbuchstaben, auch diese wurden in Verbindung mit dem Buchstabenhotel benutzt und sie reisen nicht mit uns mit.
Ich möchte sie trotzdem erwähnen, da sie stets gern und viel genutzt wurden und so Teil der Lernreise waren. Vielleicht hattest du sie bisher auch nicht auf dem Schirm und bekommst so Inspiration für die Lernreise deines Kindes.
Selbsterstellte Sprachspiele und Gesellschaftsspiele
Um verschiedene Konzepte zu vertiefen, greifen wir auf selbsterstellte (Lern)spiele zurück. Einige davon habe ich den Newsletter Leser*innen oder gegen eine kleine Gebühr schon zur Verfügung gestellt, andere warten noch im stillen Kämmerlein auf ihre Veröffentlichung. Die bereits veröffentlichten Materialien findest du HIER.
Domino, Memory, Puzzle, Bingo, Nomen Klatur Karten … es gibt viele Möglichkeiten, neue Themen oder solche, die Vertiefung benötigen, spielerisch aufzugreifen und individuell passend zu gestalten. Das Üben z. B. von schwierigen Lauten, die Einführung von neuem Wortschatz oder Grammatikstrukturen wird so zum Spiel.
Ein schönes Spiel, dass wir bei Kinderbegeistern entdeckt haben, ist „Rita Raupe“. Schwierige Lautverbindungen werden geübt, Obst und Gemüsesorten benannt, gezählt und je nach Schwierigkeitsstufe kann mit Zungenbrechern gearbeitet werden.
Spiele wie „Mäuseschlau & bärenstark – Wissen und Lachen – Unsere Erde“ laden mit ihren kurzen Fragen zum ersten selbstständigen Lesen im spielerischen Kontext ein.
Die Karten aus dem Spiel „Die freche Sprechhexe“ haben wir kurzerhand umgenutzt, nachdem wir es „ausgespielt“ hatten. Die Karten nutzten wir als Erzählkarten, so wird reihum eine Karte gezogen und eine gemeinsame Geschichte erzählt oder ein Kind denkt sich eine Geschichte aus und erzählt diese.
Familien Lieblingsspiel ist „Dixit“, auch dort geht es anhand unterschiedlicher Bildkarten um Geschichten, Worte und den Umgang mit Sprache: Was sieht der andere? Wie kommt der andere auf eine solche Interpretation? Wie nutze ich meine Worte für Hinweise oder versuche taktisch zu erzählen?
Museen und andere Ausflugsziele
Wir besuchen viele Museen oder entdecken andere spannende Ausflugsziele. Beim Erkunden von Museen erfahren wir nicht nur über die Geschichte der Sprache und Schrift in verschiedenen Zeiten und Kulturen, wir vertiefen ebenso unseren Wortschatz.
Ein schönes Museum, in dem Kinder sich in Kalligrafie Schrift und Heraldik, das ist die Wappenkunde, also eine Art Bildsprache, auseinandersetzen können, ist das Stadtmuseum in Neckarsulm mit der Ausstellung: „Spurensuche im Mittelalter – Mit Ratte Naseweis auf Entdeckungsreise“.
In Berlin gab es in den Sommerferien unterschiedlichste Workshops auf der Museumsinsel, in einem davon wurde vertieft auf Hieroglyphen eingegangen, auch das ist eine schöne Bildsprache, die bereits junge Kinder fantasievoll für sich interpretieren können.
Ein weiterer guter Ort, um Buchstaben und Worte in einem anderen Rahmen zu entdecken, sind Naturpfade oder Familienwanderungen, bei denen Beschreibungstafeln oder Hinweisschilder entziffert und verstanden werden wollen. Auch Geocaching mit unterschiedlichen Rätseln lädt dazu ein, Sprache für sich zu entdecken.
Digitale Ressourcen
Apps bieten eine weitere Möglichkeit, die Vorläuferfertigkeiten von Lesen und Schreiben zu entdecken und den Umgang mit Sprache, Wortschatz und Sprachgewandtheit zu vertiefen.
In der Mildenberger App „ABC der Tiere“ ist die komplette Fibel hinterlegt, und zu jeder Doppelseite gibt es die Möglichkeit, sich den Text vorlesen zu lassen oder selbst zu lesen. Ebenso gibt es verschiedene Silben- und Klatschspiele oder Grammatikaufgaben. Die App kostet ungefähr 13 €.
In der „Zebra Schreibtabelle“ App vom Klett Verlag wird eine Anlauttabelle spielerisch eingeführt und dann ebenso mit Silben- und Klatschspielen ergänzt. Wir nutzen eine freie Version der App.
In der „Knietzsche Geschichtenwerkstatt“ App gibt es die Möglichkeit eigene Geschichten zu schreiben, es kann aus unterschiedlichen Hintergründen, Menschen, Tieren und Gegenständen ein Bilderbuch erstellt werden, das dann durch die selbst ausgedachte und eingetippte Geschichte ergänzt werden kann.
Bei „Puppet Pals“ geht es ebenso um das Erstellen von Geschichten, hier wird jedoch am Ende ein Video erstellt und der Text wird eingesprochen.
Noch lieber nutzen wir die App „Stop Motion Studio“, dann werden Szenen aus Lego oder Knete oder Gebasteltem erstellt und entsprechende Bilder gemacht. Am Ende wird die Geschichte eingesprochen und man erhält ein Stop Motion Video.
In der „Schlaumäuse“ App können ganz unterschiedliche Bereiche zur Sprachentwicklung geübt werden.
Wir nutzen die unterschiedlichen Apps nicht alle gleichviel, oftmals schauen wir nur, welche App was an Möglichkeiten bietet und wie wir mit der Bedienung, dem Spielspaß und dem Design zufrieden sind, ergo welchen Mehrwert uns die App bietet.
Da jede*r unterschiedliche Vorstellungen davon hat, sollte diese Liste, wie auch die Beitragsreihe nur zur Inspiration dienen.
Gemeinsames lebenslanges Lernen als Familie
Sprache, Schrift und die Fertigkeit, diese zu entziffern und zu verstehen; der Umgang mit Worten und Bedeutungen ist Alltag und gleichzeitig Wachstumsprozess. Mit gezielten (Lern) Aufgaben, genauso wie im normalen Alltag, lernen und wachsen wir Schritt für Schritt und gemeinsam in diesem Bereich.
In weiteren Blogbeiträgen kannst du demnächst über weitere „klassische“ Themenbereiche wie Naturwissenschaften, Geographie oder Geschichte lesen.
